Ein Bericht im Donaukurier von Ute De Pascale vom 20.06.2018

100-Jahr-Feier in Zelsva

 

Ein Lächeln ins Gesicht gezaubert

Ein Team der Kinderhilfe Litauen war zu Geburtstagsbesuch an der Schule in Zelsva – eine neue Stele symbolisiert die Freundschaft

Schrobenhausen/Zelsva

Es ist ein Projekt, das Eva Klingenberg und ihren Mitstreitern seit Langem sehr am Herzen liegt: den Kindern an der Schule in Zelsva unter die Arme zu greifen. Jetzt feierte die Einrichtung 100. Geburtstag. Selbstredend, dass auch Klingenberg mit einem kleinen Team dabei war.

Die Schrobenhausener Kinderhilfe stand dann auch bei einem der größten Highlights des Tages im Fokus: der feierlichen Einweihung der von Künstler Klemensas Kvainauskas geschaffenen Skulptur, die die mittlerweile 26 Jahre dauernde Freundschaft zwischen der Litauenhilfe und der Schule symbolisiert. Dass das, was ihr Vater, Litauenhilfe-Gründer Manfred Schwaak, begonnen hatte, mit dieser die Weisheit verkörpernden Eulenfigur jetzt ein reeles Symbol bekommen hat, darüber freue sie sich enorm, versichert Klingenberg. Sie selber sei ja unglaublich gerne zur Schule gegangen, habe „sehr sehr gern gelernt“, erzählte sie den litauischen Schülern,bevor sie mit dieser Bemerkung so manches Schmunzeln erntete: „Aber ich habe im Laufe meines Lebens bemerkt, dass ich vieles doch nicht gebraucht habe.“ Eines jedoch sollten sie bei alle dem nicht vergessen, legte Klingenberg den kleinen Litauern ans Herz: Ganz nebenbei bekämen sie etwas sehr Wichtiges fürs Leben mit: den Wert von Freundschaften. Und das heiße ja nichts anderes, „als dass man mit Freunden alles schafft“.

Ein offizieller Akt hatte die Geburtstagsfeier eingeleitet. Dich das Ganze soll vor allem ein Fest für die Kinder werden, diese Devise hatte die Leiterin der Schule in Zelsva ausgegeben. Und so gab es Hüpfburg und Seifenblasen, Popcorn und Eis, Zuckerwatte, Musik und Tänze und in der von der Kinderhilfe Litauen mitfinanzierten Turnhalle sogar eine extra eingerichtete Disco – allesamt Dinge, die für die Kinder in Zelsva alles andere als selbstverständlich sind und vielen ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Entsprechend aufgeregt seien sie auch gewesen, erzählt Eva Klingenberg. „Die Kinder haben das sehr geschätzt, so etwas kennen die meisten nicht.“

Freilich gibt es zum Geburtstag auch Geschenke: Unter anderen eine Tischtennisplatte und Spielgeräte hatte Eva Klingenberg im Gepäck. Dass die Unterstützung aus dem Schrobenhausener Land auf dankbare Abnehmer trifft, davon konnte sie sich einmal mehr überzeugen: „Der Spielplatz, den wir gesponsort haben, wird von der ganzen Dorfgemeinschaft genutzt“, freut sich Klingenberg. Und, das siech die Schule vor dem Hintergrund der sie umgebenden grauen, tristen Wohnblöcke als bunter Farbkleks abhebt – die Schrobenhausener Litauenhilfe ist daran nicht ganz unbeteiligt. Immer wieder aufs Neue berührt Klingenberg die Bescheidenheit der Litauer. Dass man im Gemeindehaus in Naujiena dringend einen neuen Herd benötige, mit dieser Info wollte die Ortsvorsteherin erst gar nicht so recht rausrücken. „Die ist so zurückhaltend, sagt immer: Ihr habt uns schon so viel gegeben“, erzählt Klingenberg. Einerseits unglaublich sympathisch, „auf der anderen Seite schwierig herauszufinden, was sie brauchen“. Weil das Gemeindehaus unter anderem auch zum Aufbahren Verstorbener genutzt wird, war auch eine Lüftungsanlage vonnöten, die die Litauenhilfe jetzt finanziert hat.

Neuigkeiten gibt es auch von einer weiteren Station der Litauenhilfe: der Sonderschule in Kaunas. Da lernte Klingenberg den neuen Schulleiter Darius Grieze kennen, der jede Menge Ideen habe. „Er hat mir gezeigt, was er alles vorhat.“ Zum Beispiel Entspannungsräume einzurichten, mit welchen Materialien, damit sich psychisch auffällige Kinder, die „nicht wissen, wohin mit ihrer Enegie“, nicht verletzen können. „Das möchten wir zusammen umsetzen“, blickt Klingenberg auf eines der anstehenden Litauenhilfe-Projekte voraus.

Auch bei ihrer jüngsten Reise haben Klingenberg die Schicksale der Sonderschulkinder bewegt. Rund 80 Prozent lebten mit einer Behinderung. Nicht selten gebe es Eltern, „die sich nicht kümmern können oder wollen, die überfordert sind“ – so die Kleinen überhaupt noch Eltern haben. Kindern wie ihnen zu helfen, dafür möchte sich die Litauenhilfe auch weiterhin stark machen.