So entspannt wie nie, obwohl zuvor so anstrengend wie nie – so das Resumee, mit dem Eva Klingenberg auf den diesjährigen Weihnachtstransport zurückblickt. Mit ihrem Kinderhilfeteam brachte sie im Schrobenhausener Land gesammelte Spenden nach Litauen, inklusive der vielen liebevoll gepackten Weihnachtstüten.

Von Ute de Pascale , Schrobenhausener Zeitung, 12.12.2018

Berührende Begegnungen im Gepäck

Anstrengend waren die Vorbereitungen auf den diesjährigen Weihnachtstransport vor allem deshalb, weil mit Toni Drexlers Tod eine enorm wichtige Stütze weggefallen war. Und entspannt wie nie, das bezieht sich darauf, dass während der Fahrt alles prima klappte – mal abgesehen von den Tücken des Objekts. Aber ein muckender Lkw, eine dientsverweigernde Heizung (“Meine Füße wurden in Dresden warm”) oder sich selbständig machendes wie der Entlüftungsdeckel im Bus (der dann mit Klebeband fixiert wurde) oder ein zu Eva Klingenbergs Nikolettakostüm gehörende Bart (dr einfach ganz unorthodox nachgeknotet wurde) – derlei Unbill bringt das Litauenhilfeteam ganz sicher nicht vom großen Ziel ab: nämlich denen, denen es bei Weitem nicht so gut geht wie den meisten hierzulande, eine vorweihnachtliche Freude zu bereiten.

Den Eindruck, den bisher noch jeder von den Transporten mit nach Hause gebracht hat, den nahmen auch die neuen Unterstützer der Kinderhilfe Litauen mit nach Schrobenhausen: “Die Kinder sind so anhänglich: diese Lebensfreude, das Unverkrampfte, das ist einfach schön – und das haben auch meine Männer gespürt”, berichtet Eva Klingenberg. Andererseits kamen auch “ihre Männer” Max Weigert, Josef Stegmayr, Stefan Schwarzbauer, Bernhard Koppold und Michi Bauer ausgesprochen gut bei den Litauern an. Beispielsweise in Klaipeda, wo es hieß: “Eva, Du hast die besten Männer von ganz Schrobenhausen: ach was, von ganz Europa!” (Rasa Pangoniene, Übersetzerin aus Klaipeda)

Bei so viel Lob kann es schon mal sein, dass man über sich selbst hinaus wächst. Beispielsweise wenn es darum geht, bei einer der Willkommensfeiern eine öffentliche Rede zu halten. Schlussendlich habe sich “der Sepp erbarmt”, erzählt Eva Klingenberg – und dann tatsächlich wunderschöne Worte gefunden.

 

“Die Menschen machen es aus”, ist sie überzeugt. Und zwar auf beiden Seiten: Sei es in Schrobenhausen, bei Leuten wie jenen von der Caritas, die vor dem Transport derart flexibel waren, dass das Kinderhilfeteam sogar am eigentlich geschlossenen Samstagnachmittag nochmal nachpacken durfte – oder bei den Menschen in Litauen.

Nachdem sie nun bereits das vierte Mal da war, fühlt sich der Besuch für Eva Klingenberg mittlerweile wie Heimkommen an. Schließlich wird man ja auch sehnlichst erwartet. Von Paulus etwa, dem autistischen Jungen aus der Sonderschule, “der das ganze Jahr schon auf uns wartet”, ezählt Eva Klingenberg, dann von der 17-jährigen Aiste, oder von Emilijus, dem “süßen Jungen, der noch immer im Waisenhaus lebt”. Meist handelt es sich hier um Kinder alkohol- und drogenabhängiger Eltern, auch deshalb seien viele von ihnen nur schwer vermittelbar, berichtet Klingenberg. Umso schöner, wenn man ihnen eine kleine – oder manchmal sogar größere – Freude bereiten kann: denn für Emilijus gab es ein Kinderfahrrad. Ein derart prächtiges Geschenk ist freilich nicht für jedes der Kinder drin. Aber auch die kleineren, mitunter sogar mit lieben Gedanken auf die Reise geschickten Präsente kommen enorm gut an. Kuscheltiere zum Beispiel. “Dieses Greifen, Fühlen ist gerade für die behinderten Kinder oder die Kleinen im Kinderkrankenhaus unglaublich wichtig., weiß Eva Klingenberg. “Diese unglaubliche Freude über Kleinigkeiten, die enorme Dankbarkeit” – etwa, wenn sie verkleidet als weiblicher Nikolaus, die Schrobenhausener Weihnachtstüten unter die kleinen wie größeren Litauer bringt – versetzt sie immer wieder in Staunen.

Bemerkbar macht sich diese Dankbarkeit oft an kleinen liebevollen Gesten. Dem extra für die Gäste aus Deutschland auf deutsche gesungenem “Oh Tannenbaum” im Kindergarten Radastele zum Beispiel. Oder dem selbstgemalten Bild, das das Litauenhilfeteam von seiner neuen Station “Gemeinsamer Weg” mit heim brachte.

Kreativität stand auch in der Sonderschule in Kaunas im Fokus. Als das Team da auf bastelnde und an Nähmaschinen – die übrigens Klingenbergs Vater, Litauenhilfegründer Manfred Schwaak, gesponsert hat – werkelnde Jungs traf, hätte sie ihre Männer “beinahe nicht mehr weggekriegt”, erzählt Klingenberg schmunzelnd. Auch im Waisenhaus habe sich jeder “auf meine Männer gestürzt. Auch da hab ich wieder gemerkt, wie wichtig und richtig es ist, dass wir da sind.”

Nicht nur ihren Mitfahrer zollt sie großes Lob, sondern auch Menschen, die der Litauenhilfe hinter den Kulissen unter die Arme greifen: Georgia aus Österreich zum Beispiel, die die Homepage www.kinderhile-litauen.de betreut – auf der sich kleine Schätze wie Eva Klingenbergs Reisetagebuch tummeln. Da berichtet sie auch Begegnungen, die vielleicht noch ein klein wenig besonderer sind als andere. “einmal kam ein Zwillingspärchen auf mich zu”, erzählt Eva Klingenberg, “ich schau nach rechts – stehen da genau zwei gleiche Tüten.” Das Leben schreibe eben die besten Drehbücher, findet die Vorsitzende der Schrobenhausener Kinderhilfe Litauen. Und: “Ich glaub fast, manchmal hat Vater die Finger im Spiel, dass ich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit treffe.”