Viele helfende Hände für Litauen

Eva Klingenberg stellte bei der katholischen Erwachsenenbildung die Kinderhilfe vor

von Franz-Josef Mayer, Schrobenhausener Zeitung, 11.02.2020

Zum ersten Mal im Leben eine Tafel Schokolade

Schrobenhausen – Seit mehr als 25 Jahren unterstützt der Verein Kinderhilfe Litauen mehrere Einrichtungen im südlichen der drei baltischen Staaten.

In einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung stellte Vorsitzende Eva Klingenberg das Projekt vor, das ihr Vater Manfred Schwaak gegründet hatte.
Eva Klingenberg gab eine kurze Skizze des Landes Litauen, das die meiste Zeit seiner Geschichte vom großen Nachbarn Russland bedrängt war und im Zweiten Weltkrieg unter der deutschen Terrorherrschaft zu leiden hatte. Die Phasen der Eigenständigkeit im 19. Jahrhundert währten nicht lange, erst nach 1990 konnte sich das Land – in der Fläche etwas kleiner als Bayern – staatlich neu entwickeln. Es gehört seit 2004 zur Europäischen Union, der Euro ist Währung seit 2015.

Die Kinderhilfe Litauen hat eine weit zurückliegende Vorgeschichte, eine Familiengeschichte. Initiator war der mittlerweile verstorbene Manfred Schwaak, der seine Rettung zu Kinderzeiten am Ende des Zweiten Weltkriegs nie vergessen hatte. In einer Familie mit vier Kindern erlebte er im damaligen Ostpreußen die Fluchtbewegungen vor dem Herannahen der Russen. Der Vater war an der Front, die Mutter begab sich aus der Gegend um Königsberg mit den Kindern auf die Flucht, aber sie selber und das kleinste Kind überlebten nicht. Damit waren drei Kinder alleine, schlugen sich im benachbarten Litauen zeitweise durch die Wälder und wurden schließlich von Familien aufgenommen.

Später wurden sie als Deutsche erkannt und kamen in die russische Besatzungszone, endlich über den Suchdienst des Roten Kreuzes zum überlebenden Vater nach Bayern. Manfred Schwaak nahm sich vor: “Sollte Litauen einmal frei und zugänglich werden, fahre ich sofort dort hin! ” Nach dem Zusammenbruch der UdSSR setzte er diesen Plan um und traf auf die primitiven Verhältnisse, die der Sozialismus überall in Osteuropa hinterlassen hat. Er fand nicht nur die Familie, die ihn als Kind beschützt hatte, er fand auch eine Aufgabe – Hilfe für Kinder in Litauen. Viele öffentliche Einrichtungen waren in einem desolaten und hoffnungslosen Zustand, erste Adresse war eine Klinik für Kinder mit Behinderung.

Mit einer Zeitungsanzeige suchte Schwaak erste Verbündete und diese wurden im Lauf der Jahre immer mehr. Im ganzen Raum Schrobenhausen fand er Zuspruch. In den folgenden Jahren kamen – vermittelt über Kindergärten und Schulen – aus Familien Sachspenden, die Aktion wuchs weiter an, der Umfang benötigte schließlich immer größere Transportfahrzeuge bis hin zum Sattelschlepper des Roten Kreuzes. Viel Arbeit leisteten die Mitglieder des Katholischen Frauenbunds, die über Jahre hin im Herbst die zahlreichen Spenden verpackten.

Manfred Schwaak hatte viele Ideen, um mit Aktionen und Events Gelder für die Kinderhilfe zu erlösen; es gab Benefizkonzerte oder auch einmal das Simultanküssen für einen Rekord. Aktionen des Rotary Clubs Schrobenhausen-Aichach spielten größere Geldbeträge ein, und immer neue Helfer machten die weite Fahrt in den Norden mit und erlebten die Freude über alle Unterstützung vor Ort, es entstand ein eigener Teamgeist. Übers Internet stießen Rallye-Freunde aus dem Allgäu auf die Kinderhilfe, brachten auf ihrer Nordlandfahrt um die Ostsee-Hilfsgüter ans Ziel und sorgten ganz originell für das Bällebad eines Therapieraums in einem Kinderheim. Einmal gelang es gar, die Spitzen des Deutschen Fußballbunds einzubinden. Zu den konkreten Hilfen zählen viele Aktionen, mit denen Kinder zu Weihnachten beschenkt wurden, aber bedeutsamer sind wohl die baulichen und technischen Verbesserungen so in Schulen oder Kliniken.

Eva und Sven Klingenberg stellten in Bildern und einigen Videos dar, wie sich die Aktionen mit viel Arbeitseinsatz abspielen und wie vor Ort in Litauen frohe Kinderaugen und dankbare Empfänger in Schulen und Einrichtungen erscheinen. Im Bild erinnerte Eva Klingenberg auch an ihren verstorbenen Vater und an die ebenfalls verstorbenen Unterstützer Toni Drexler und Toni Euba. Am Ende der Veranstaltung war zu spüren, dass der Funke wieder einmal übergesprungen ist; nicht wenige unter den 40 Zuhörern – darunter auch erfahrene Helfer – waren sich einig, die Kinderhilfe Litauen zu unterstützen.

Zum ersten Mal im Leben eine Tafel Schokolade
Zum ersten Mal im Leben eine Tafel Schokolade